KUNSTPLATTFORM „JUNGE KÜNSTLER“

WIR/NOUS/WIJ

Am Mittwoch 7. Oktober fand ein grenzüberschreitendes Treffen zum Thema „junge Kreation in der Euregio Maas-Rhein“ statt. An diesem Treffen – dritte Ausgabe von „Wir/Nous/Wij“, eine Initiative der Regio Aachen( seit 2007) in Zusammenarbeit mit den Provinzen Lüttich sowie belgisch und niederländisch Limburg – haben an die Hundert Vertreter der verschiedenen künstlerischen Kreise und zahlreiche Künstler teilgenommen. Eine zweistündige, offene, lebhafte und unbeschränkte Diskussion hat zu einer Reihe Feststellungen geführt, aber auch auf originelle Pisten hingedeutet. Bei diesem Treffen, das abwechselnd von Adriaan Himmelreich, Kurator Provinz niederländisch Limburg, Jan Boelen, künstlerischer Direktor von Z33, Professor Wolfgang Becher, freischaffender Kunstkritiker und Kunstberater, und Alain Delaunois, Journalist und Kunstkritiker moderiert wurde, sind verschiedene Fragen erörtert worden: Künstlerresidenzen, Kunstpraxis und Publikum, und Kommunikation. Abschließend haben die verschiedenen Redner den Teilnehmern und Herrn Paul-Émile Mottard, Abgeordneter der Provinz Lüttich, der das Treffen im Namen seiner Kollegen der Provinz niederländisch und belgisch Limburg, Frau Odile Wolfs bzw. Herrn Gilbert Van Baelen, eingeleitet hat, eine Synthese ihrer Arbeit vorgestellt.

1 „Wir und die anderen“ – Künstlerresidenzen - Meisterklassen

(Moderator: Adriaan Himmelreich)

Grundlegend müssen die dringendsten Bedürfnisse, ausgehend von konkreten Situationen, in den verschiedenen Bereichen abgesteckt werden. Künstlerisches Schaffen ist ein höchst individueller Vorgang und demnach von Leidenschaft geprägt. Ein erstes Manko wurde im Bereich der Kommunikation festggestellt (klare Konzepte, Website und soziale Netzwerke). Andere Tatsache: Kreatives und wirtschaftliches Kapital sind verflechtet, während die Wirtschaftstätigkeit vom kreativen Kapital abhängt. Der Künstler schaltet sich bei sozialen und geistbildenden Initiativen ein. Er ist nicht mehr der kontaktarme Visionär der romantischen Bildersymbolik.

Anderes Fazit: Unsere Region zählt wenige originelle Ausstellungsorte, Kunstkritiker sind eine Seltenheit, Sammler nicht sehr zahlreich und es kann kaum von einem Kunstmarkt in der EMR die Rede sein. In diesen Bereichen bleibt – fast – alles noch zu machen. Workshops und Künstlerresidenzen müssen also in eine sichtbare Struktur eingebunden werden. Dank der Initiative Z33 (Website) sind die sprachlichen und verwaltungstechnischen Hürden überwunden worden.

Die Teilnehmer äußern auch ihren Ummut über die finanzielle Zusammenarbeit zwischen den Staaten innerhalb und außerhalb der Euregio. Die Gutwilligkeit der Beamten reicht kaum aus, da die Bedeutung der Kunst und ihre Rolle beim Aufbau neuer Aussichten, die die Gesellschaft verbessern könnten, verkannt werden.

Im Zusammenhang mit der Kandidatur von Maastricht zur Kulturhauptstadt 2018 könnte der Slogan „Wir sind die Region“ mobilisierend sein und die treibenden Kräfte zusammenbringen. Der Austausch mit ausländischen Einrichtungen sollte auf Kunstschulen erweitert werden und die Angebote der Verwaltungen, Kulturoperatoren und Privatpersonen sollten (in Form eines vollständigen Inventars) veröffentlicht werden.

2. Das Werk in Bewegung – Ausstellen: Wo, warum, wie und für wen?

(Moderator Jan Boelen)

Die Euregio ist ein Niemandsland, das von Zentren wie Brüssel, Amsterdam, Rotterdam, Düsseldorf und Köln umgeben ist. Dank dieser Lage kann sie neue – freiere und riskantere – Initiativen aufgreifen und ebenfalls berufliche und künstlerische Praktiken in ihrer eigenen Region bilden. Es besteht ein effektiver Mangel an Informationen über Ausstellungsmöglichkeiten in der Euregio und Kontakte mit den Organisatoren. In diesem Zusammenhang könnte man sich eine Austauschbörse zur Vorstellung von Kunstwerken und zur Aufnahme aller regionalen Aspekte für Künstler und Kuratoren ausdenken. Journalisten und Kunstkritiker müssen ebenfalls mit eingebunden werden. Folgende Beispiele werden dabei erwähnt: in Deutschland, der „Heimat Kulturserver“ (www.heimat.de) und in niederländisch Limburg, die virtuelle Gemeinschaft „Zachte G“ (www.zachteg.nl).

3. Kulturmarketing oder Marketingkultur?

(Moderator: Professor Wolfgang Becker)

Die Teilnehmer schneiden das Thema anhand von drei Beispielen an.

Die Gründung einer Stichting in Maastricht, die Architekten dazu anregen soll, im Dreiländereck Häuser in Bäumen zu errichten. Zu diesem Anlass sollen Künstler aller Kunstrichtungen eingeladen werden, die in der Euregio arbeiten.

Das Projekt „Lüttich, Metropole 2010“ hat das Projekt zur Kandidatur als Kulturhauptstadt 2015 ersetzt. Mit dieser neuen Initiative kann eine Förderungsvereinigung mit einem stattlichen Budget gegründet werden.

Abschließend, sollen die verschiedenen Konzepte in Bezug auf eine euregionale Plattform 2010 verwirklicht werden, damit alle Kulturakteure sich vorstellen können. Marketing im Kunstbereich besteht darin, Kunstwerke auszumachen, die Aktualität aufmerksam zu befolgen und nützliche Informationen zusammenzulegen.

4. Die Kommunikation: Weniger oder mehr?

(Moderator: Alain Delaunois)

Auf Anhieb wird der Begriff „Euregio“ in den Vordergrund gestellt: Was bedeutet die Euregio für den Einzelnen? Die regionalen Bühnen blicken mehr zu ihrer Hauptstadt (Brüssel, Berlin, Amsterdam) als zu ihren Nachbarn hinüber. Die Kommunikation, und insbesondere die Verknüpfung der kulturellen Netzwerke, bleibt schwierig: Die Zeit fehlt, selbst überall hinzukommen, es gibt keine Zwischenstationen mit Informationen über kulturelle Netzwerke und ihre Aktivitäten, auf Internet gibt es Informationen in Überfülle usw.

Um diese Schwierigkeiten zu überwinden und eine „Kultureuregio“ ins Leben zu rufen werden mehrere Pisten vorgeschlagen, so u.a. die Möglichkeit Informationen zwischen Vereinigungen, Kulturzentren, mittlere oder große Einrichtungen direkt auszutauschen: Mitarbeiter jeder Vereinigung könnten einen Tag in eine andere Vereinigung einer anderen Stadt der Euregio verbringen. Dasselbe gilt für Journalisten, Webmaster und Kommunikationsleute. Es wurde auch vorgeschlagen, eine Internet-Plattform für kulturelle Informationen zu erstellen, an der sich die verschiedenen Städte der Euregio beteiligen und auf der sich ausgesuchte und direkte Informationen über Projekte jeder Partnerregion zu finden sind.

Es wird also vorgeschlagen, die Verbindungen zwischen den kulturellen und künstlerischen Akteuren, die allzu oft in ihrer Region für sich arbeiten, zu verstärken. Diese Verknüpfung darf nicht nur virtuell sein: Die physische Anwesenheit ist immer noch erforderlich.